MorrisJobke

🚗🔋 Elektromobilität 25 Apr 2019

Bei Diskussionen rund um Elektromobilität stößt man immer wieder auf gewisse Punkte und Anmerkungen, denen man sich stellen sollte. Aus diesem Grund habe ich meine kleine Notizensammlung hier einmal veröffentlicht, sodass man sich einen Überblick verschaffen kann. Diese Sammlung erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, noch sind alle Kommentare von mir. Einen Teil der Links entstammt dem #fakten-fakten-fakten Channel im CleanEletric-Slack. Falls dies so ist, habe ich es gekennzeichnent.

Ich versuche von Zeit zu Zeit Neuigkeiten nachzupflegen. Anmerkungen, Verbesserungen, Korrekturen und sonstiges kann gerne ĂĽber das entsprechende Github Repository eingereicht werden.

Letztes Update: Juli 2021


Inhaltsverzeichnis:


Allgemein

Kurze Artikel

Lange Artikel

Ă–kobilanz

Kostenvergleich

Ich habe allein in einem Jahr IONIQ-Fahren 1.500 € Benzinkosten gespart. Wer mir erzählen will, Elektro wäre gar nicht so günstiger, dem lache ich schallend ins Gesicht.

Dito. Ich diskutiere kaum noch im Sinne von Argument vs Gegenargument. Keinen Bock auf Klarstellung von Fake News. Mein Eindruck ist auch, dass wir damit nicht weiterkommen. Schon das eingehen auf all den Schwachsinn, verstärkt diesen nur, statt ihn zu relativieren. Ich habe mal durch Zufall eine Trainerin für Raucherentwöhnung kennengelernt. Die hat mir erklärt, dass man Menschen überhaupt nicht über Negatives (Rauchen = Lungenkrebs, Raucherbein etc.) bekommt, sondern nur über Positives (ich kann wieder fein schmecken, ich habe wieder mehr Geld, ich bin wieder sportlicher und kann wieder frei durchpusten etc.pp. - also ganze Bilder imaginieren, was dann tolles passiert) kriegt - und sie hatte eine beeindruckende Erfolgsquote. Also spreche ich über die Dinge, die mich an der eMobilität begeistern. Auf den Quark gehe ich nicht mehr ein

Strompreis

Stromverbrauch

Akku

Entgegen einer häufigen Annahme liegt der Fokus nicht auf der RĂĽckgewinnung des Lithiums. Das Alkalimetall macht nur ein Gewichtsprozent einer Batterie aus – in einem Elektro-Golf sind das rund drei Kilogramm. Zudem ist Lithium preisgĂĽnstig. FĂĽr die Menge, die im e-Golf-Akku steckt, nehmen Fachkreise Kosten von weniger als zehn Euro an. […] Viel wichtiger und einfacher ist es aus Rohstoff- und Kostensicht, Metalle wie Kobalt, Kupfer und Nickel zu gewinnen. […] Vereinfacht gesagt werden dabei die Materialien bei grosser Hitze getrennt. Abfall entsteht laut dem Unternehmen kaum, am Ende bleibt weniger als ein Prozent an RĂĽckständen. […]

Recycling

Second life

Laden

<Ironie>

Gerade kam in den Nachrichten, dass in Deutschland für die Weihnachtsbeleuchtung etwa 660.000.000 Kwh verbraucht werden. Das sind etwa 220.000.000 €. Das sind 11.000.000 Ladungen für ein 60 KWh Akku und bei 300 km Reichweite sind es 3.300.000.000 elektrisch gefahrene Kilometer! Wieso bricht eigentlich das Stromnetz nicht durch den Beleuchtungswahn zusammen?

-> Passend dazu: Stenkelfeld - Weihnachtsbeleuchtung (youtu.be)

</Ironie>

In Wohnanlagen

FĂĽr alle die Probleme mit Ihrer Hausverwaltung haben bei der Errichtung von Ladeinfrastruktur. Sagt Ihnen, es ist alles halb so wild und haltet Ihnen meine neue Studie unter die Nase.

Die Studie „Umsetzung Ladeinfrastruktur in Wohnanlagen” gibt es zum Download unter: https://www.eautolader.net/studie (eautolader.net)

Meta Studie

Ladepunkte

Alternative Antriebe

Plugin-Hybrid

Der Hybrid mit Stecker (Plug-In) stellt eine Übergangslösung dar, bis hohe Reichweiten zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt kommen und genügend Schnellladestationen vorhanden sind. Dies ist in gewissen Fahrzeugklassen und Ländern schon heute der Fall und somit ist der Plug-In- Hybrid wohl schon bald technisch veraltet. Solche Fahrzeuge können den täglichen Mobilitätsbedarf der meisten Leute rein elektrisch abdecken, haben für weite Strecken aber noch immer einen Verbrennungsmotor an Bord und sind somit unabhängig von der Steckdose.

Brennstoffzelle

Rohstoffe

Pilotprojekt zu nachhaltigem Kobaltabbau: BMW, BASF, Samsung SDI und Samsung Electronics haben ein Pilotprojekt fĂĽr nachhaltigen Kobaltabbau im Kongo gestartet. Als Koordinator tritt im Auftrag des Quartetts die Deutsche Gesellschaft fĂĽr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Erscheinung. Ziel ist es, anhand einer Pilotmine ĂĽber einen Zeitraum von drei Jahren zu erproben, wie sich Arbeits- und Lebensbedingungen im kongolesischen Kleinstbergbau verbessern lassen.

-> auch potentiell interessant: Responsible Cobalt Initiative (respect.international)

Lithium

CO2 AusstoĂź

Siehe “CO2 Emisionen 1990-2017 Deutschland.jpg”

Was man recht gut sehen kann, ist, dass die Sektoren zusammen (Industrie, Gebäude, Energie, Verkehr etc) von 1990 bis heute die CO2 Emissionen deutlich gesenkt haben. Bis auf eine Ausnahme darin: Der Verkehr als einziger liegt heute sogar über den Werten von 1990 Das zeigt nochmal sehr deutlich, was der VDA zusammen mit den jeweiligen Regierungen getrieben hat. Schlicht unfassbar

Unfälle

Zulassungszahlen

Feedback zu allgemeinen Dingen

von Karsten Jung auf Facebook:

Es wird gerne ĂĽber das “dreckige” Elektroauto gesprochen. Viele senden mir Bilder, weil sie sich darĂĽber lustig machen wollen.

  1. Finde ich es lustig, dass sich die Leute beim Elektroauto Gedanken machen, wo die Rohstoffe her kommen, beim Verbrenner ist es ihnen aber egal.

  2. Die meisten “Aussagen” beruhen auf den Medienberichten der deutschen Medien, die die schwedische Studie (nenne wir es mal) “interpretiert” haben.

Mal ein paar Fakten zu der schwedischen Studie: - Es ist ein Metastudie. Das bedeutet, es wurden keine neuen Daten ermittelt, sondern alte Studien genommen und man hat sich die passenden Werte herausgesucht. - Es wurde ein Akkutyp analysiert, die aktuell in keinem Elektroauto eingesetzt werden. - Es wurde bei der Herstellung von 100% Kohlestrom ausgegangen. - Erneuerbare Energien bei der Herstellung wurden ignoriert. - Es wurde die Einzelfertigung im Labor untersucht, nicht die automatisierte Massenfertigung. - Das Second Life des Akkus wurde ignoriert. - Es wurde die Recyclingfähigkeit ignoriert. Von daher sind diese Aussagen wie, - ein Teslaakku erzeugt 17to CO2 bevor der Wagen 1km gefahren ist, - ein Tesla ist erst nach 250.000km auf +-0 mit einem Diesel, einfach schlicht und ergreifend falsch.

  1. Bei einem Elektroauto ist der Akku der groĂźe CO2 “Erzeuger”, bei der Herstellung.

Der Akku wird, wenn er im Auto unbrauchbar ist (unter 70% Kapazität) aber noch ein Zweitleben als stationärer Akku haben. Dort wird er neu eingesetzt zum speichern von erneuerbaren Energien ohne neu CO2 zu erzeugen. Danach ist immer noch nicht Schluss. Dann wird er nach aktuellem Stand der Technik recycled. Dabei werden aktuell 90% der Rohstoffe wieder gewonnen. Und dabei entstehen über 70% weniger CO2 pro kWh.

Wenn man das alles bedenkt, sollte man auf folgendes kommen: Wenn mehr Elektroautos unterwegs sind, wird irgendwann der Punkt kommen, wo immer weniger neue Rohstoffe gebraucht werden. Klingt paradox, ist aber so.

Beim Verbrenner, egal ob Benzin/Diesel/LPG/CNG ist der Treibstoff der größte CO2 Erzeuger.

Davon läßt sich 0,0% recyceln. Was verbrannt ist, ist in der Atmosphäre.

Dann zum Thema Kobalt aus dem Kongo. Die Zellhersteller reduzieren aktuell den Kobalt Anteil massiv. Panasonic/Tesla sind hier MarktfĂĽhrend und somit auch am gĂĽnstigsten. Sie wollen auch komplett auf Kobalt verzichten. https://ecomento.de/2018/06/04/panasonic-und-tesla-arbeiten-an-elektroauto-batterien-ohne-kobalt/

  1. Wird gerade versucht, die Stickoxid Belastung zu verharmlosen.

https://www.stern.de/tv/diesel-fahrverbote—die-schadstoffbelastung-in-staedten-ist-voellig-unbedenklich–8444006.html

Dieser Lungenfacharzt steht damit aber ziemlich alleine da: https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/expertenstreit-um-no2-grenzwerte-wie-gefaehrlich-sind-stickoxide-wirklich_id_9924913.html

Wie schädlich die Luftverschmutzung wirklich ist. 8 Fakten zu Feinstaub und Stickoxiden: https://www.swr.de/abgasalarm/wie-schaedlich-die-luftverschmutzung-wirklich-ist-8-fakten-zu-feinstaub-und-stickoxiden/-/id=18988100/did=18971804/nid=18988100/12nqid0/index.html

Am schlimmsten ist dabei aber, dass der Lungenfacharzt Einheiten vermischt um die angebliche Ungefährlichkeit zu belegen. Zitat: Mit einer Zigarette inhaliere ein Raucher bis zu 1000 Mikrogramm NO². Das mache bei einer Schachtel am Tag rund 20.000 Mikrogramm und dementsprechend etwa 600.000 Mikrogramm im Monat. Auf ein Jahr wären das 7,2 Gramm Stickstoffdioxid, die ein Raucher inhaliert. WĂĽrde ein Nichtraucher rund um die Uhr an einer StraĂźe stehen und 50 Mikrogramm NO² pro Kubikmeter einatmen, hätte er nach 24 Stunden neun Kubikmeter Luft und somit 450 Mikrogramm Stickstoffdioxid eingeatmet. Wäre das so gefährlich. Nach einem Jahr hätte er 164.000 Mikrogramm Stickstoffdioxid eingeatmet. Diese Menge inhaliert ein Raucher in acht Tagen. “Wäre Stickstoffdioxid so gefährlich wie behauptet, mĂĽssten alle Raucher nach wenigen Monaten tot sein. Das ist aber nicht der Fall.” Mit dem Grenzwert fĂĽr Feinstaub (50 Mikrogramm/mÂł) könne man eine ähnliche Rechnung aufmachen, denn Zigarettenrauch enthalte das 20-Fache.

Dabei vermischt er ganz geschickt Konzentrationsangaben (40 oder 50mcg/mÂł) mit Mengenangaben (1.000mcg pro Zigarette)

Die Zigarette hat also 1.000mcg. Beim einatmen, zieht man da nur die Schadstoffe ein, oder auch Luft? Wenn es 10 Teile Luft und 1 Teil Schadstoffe sind, wären wir schon bei einer Konzentration von 100mcg/m³. Sind es sogar 20Teile Luft und 1 Teil Schadstoffe sind wir schon beim Grenzwert von 50mcg/m³.

Merkt ihr was?

  1. Dann kommt mein Lieblingsthema, die Arbeitsplatzluft.

Zitat: Die Grenzwerte für Innenräume liegen ungleich höher, als die für Innenstädte. So sei in Deutschland für Innenräume ein NO²-Grenzwert – etwa am Arbeitsplatz – von maximal 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vorgeschrieben, für bestimmte Handwerksberufen bis zu 950 Mikrogramm/m³. In der Schweiz gelte beispielsweise ein Grenzwert von 6.000 Mikrogramm/m³, in den USA 9.500 Mikrogramm/m³.

Er kennt scheinbar den Unterschied nicht: https://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft

Arbeitsplatzluft darf zeitweise dreckiger seine weil: - man sich dort zeitlich begrenzt auf hält. - unter ärztlicher Kontrolle steht. - Bei hohen Belastungen sogar Atemschutz trägt.

Stickstoffdioxid in der AuĂźenluft sind hingegen alle Menschen rund um die Uhr ausgesetzt, wenngleich die Konzentration je nach Aufenthaltsort schwanken kann. Gerade empfindliche Personen wie Kinder, Schwangere, alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma reagieren zum Teil wesentlich sensibler auf UmwelteinflĂĽsse.

Etwas plakativ, aber vielleicht doch einleuchtend: https://www.youtube.com/watch?v=hs-IqsXyspI

  1. Standort der Messstellen ist falsch.

Es wird bemängelt, dass einige Messstationen nicht 25m von der Straße entfernt aufgestellt wurden und somit die Messungen verfälschen.

Was sagt ihr zu den Leuten, die direkt an der StraĂźe leben mĂĽssen? Zieht 25m weit weg?

Und wie passt dann das gerne gebrachte Argument mit den Schiffen, die an allem Schuld sein sollen. Ich habe noch kein Schiff in weniger als 25m Abstand durch einen Innenstadt fahren sehen.

  1. Das Video von der Lithium Gewinnung.

Dort wird in der Wüste Lithium flüssig gefördert und dann getrocknet. Dadurch scheint der Grundwasserspiegel zu sinken, was es ansässigen erschwert ihre Felder zu gießen. (in der Wüste) Habt ihr euch das gleiche mal gefragt, bezüglich des Öls, was für den Sprit gebraucht wird? Ölsandgewinnung in Kanada: * https://www.youtube.com/watch?v=a0i88OKU2I8 * https://www.youtube.com/watch?v=FI2LijahNyY * https://www.youtube.com/watch?v=n4y2MDE3-Yg

Fracking: * https://www.youtube.com/watch?v=879tcjGIWpk

Und denkt dann noch mal an meinen Punkt 3.

  1. Seltene Erden.

Je nach Hersteller und Modell, haben Verbrenner mehr seltene Erden verbaut, als ein Elektroauto. z.B. haben die Tesla Model S und X im kompletten Antriebsstrang (Akku, Elektronik und Motor) keine seltenen Erden.

Heute enthalten Zündkerzen Yttrium. Dieses Metall sorgt für eine besonders widerstandsfähige Oberfläche. Das ist wichtig, weil Zündkerzen stark belastet sind, wenn die Funken fliegen. Dann verdampft ein wenig der Oberfläche, doch Yttrium mindert diesen Schwund.

Der Katalysator wandelt Kohlenmonoxid, Stickoxide und Kohlenwasserstoffe in ungiftige Substanzen um. Der Kat besteht zwar vor allem aus Keramik, Aluminiumoxid und den Metallen Platin und Rhodium, aber auch aus Cer. Dieses Seltene-Erden-Metall speichert kurzzeitig Sauerstoffatome, die für den Abbau der Abgase benötigt werden. Außerdem bewahren Lanthan und Yttrium die Katalysatormetalle vor dem Zusammenbacken bei Temperaturen von bis zu 1000 Grad.

Die “Lambdasonde” misst die Mengen an Sauerstoff im Abgas. Daraus berechnet und steuert eine Regelelektronik vor der Einspritzung das optimale Verhältnis zwischen Sprit und Luft. Die Sonde besteht wesentlich aus Keramik - aber mit etwas Yttrium. Das Metall macht die Keramik durchlässig fĂĽr geladene Sauerstoffatome. Erst so ist die Funktion der Sonde gesichert.

Wer lieber ein langwieriges Video ansehen will: https://www.youtube.com/watch?v=ONFAunaAWY4

  1. DUH (Deutsche Umwelthilfe)

Jetzt wollen schon CDU und FDP gegen die DUH vorgehen. Und warum? Weil die DUH deren Arbeit macht. Die DUH macht nichts anderes, als auf das Einhalten der Gesetze zu klagen. Eine Arbeit, die eigentlich der Regierung vorbehalten ist, die es aber leider nicht macht. Man könnte vermuten, dass es an der guten Zusammenarbeit mit den Herstellern liegt und deren guter Lobbyarbeit.

Als Dank, dass die Regierung nicht reagiert hat, haben wir deutschen ein Strafverfahren am Hals: https://ec.europa.eu/germany/news/20180517-luftverschmutzung-klage_de Und wer zahlt die Strafe? NatĂĽrlich der Steuerzahler und nicht die Hersteller.

Die Gemeinnützigkeit eingetragener Vereine wird in unserem Rechtssystem vom Finanzamt auf Grundlage der satzungsgemäßen Ziele geprüft. Deshalb wundere ich mich, warum sich die CDU und FDP hier zuständig fühlt. Generell gilt: Bei der DUH ist die Gemeinnützigkeit seit über 40 Jahren gegeben, wird regelmäßig geprüft, aber auch regelmäßig bestätigt. Deshalb mache ich mir auch keinerlei Sorgen, dass der DUH die Gemeinnützigkeit aberkannt wird.

Sie werden auch weiterhin fĂĽr Umwelt und Verbraucherschutz einstehen, da es die Regierung ja nicht tut.

Was mich wundert, das die Leute gegen die DUH meckern, aber die betrĂĽgerischen Hersteller feiern. Warum meckert ihr nicht ĂĽber die Hersteller und die Politik, die das zugelassen hat.


Anmerkung zu Punkt 3 aus CleanEletric-Slack:

soweit ich weiß wird heutzutage deutlich weniger recycelt (30-40% anteilig), es ist zwar theoretisch möglich mehr zu machen - auch schon heute - aber wird meist aus ökonomischen Gründen nicht gemacht. Hier muss man aufpassen, dass nicht auch umgekehrt FUD verbreitet wird..